Vier Senioren schauen auf 2 Notebooks

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© Hannah Reber

Ausflug in das arabische Berlin – eine Führung mit einem syrischen Flüchtling in Neukölln

von Maud Meinel

Es war einer dieser ganz heißen Sommertage an dem eine Gruppe von Senioren des Herthaclubs aus Wilmersdorf zu einer Führung in Neukölln aufbrach. Einige Teilnehmer waren schon „eine Ewigkeit“ nicht mehr in Neukölln, andere haben dort vor Jahren einmal gelebt oder ihre Kindheit in diesem Stadtteil verbracht. Diese Führung war keine gewöhnliche Stadtführung, sondern wir sollten aus dem Munde eines syrischen Flüchtlings hören, wie er aus Syrien nach Berlin gekommen ist und was ihn mit Neukölln verbindet. Im Schatten eines Hauses, gegenüber der Feuerwehr stellt sich Mohamad Khalil als ein Kurde aus Aleppo vor. Kurden haben keinen eigenen Staat und leben in vielen verschiedenen Ländern. Sie haben keine gemeinsame Sprache, aber eine gemeinsame Kultur. Dazu zählt das Nouruzfest, welches wir im letzten Jahr auch im Club gefeiert haben. Als Mohamad erzählte, wie er auf dem Weg von Aleppo in die kurdische Provinz zu Verwandten nach 14 gut überstandenen Straßensperren von Dschihadisten aus dem Bus geholt wird und er und seine ihn begleitende Mutter nicht wissen, ob er gleich erschossen oder gezwungen wird, sich der militanten Gruppe anzuschließen, wurde es ganz still. Warum kommen so viele junge Männer, ist eine oft gestellte Frage. Sicher, weil ihre Chancen lebend nach Europa durchzukommen größer ist als von Frauen, aber auch weil jungen Männern droht, als Soldaten in den Krieg gezwungen zu werden. Welche Eltern möchten ihre Söhne in einen Krieg schicken? Eine köstliche Zwischenstation machten wir in einem der vielen arabischen Restaurants in dem alle eine frisch zubereitete Falafel gratis erhielten. Mohamad erzählte uns dort etwas über die Fotos aus Aleppo, die an der Wand in dem Restaurant hängen. „Wenn ich Heimweh habe, gehe ich in die Sonnenallee. Hier hört man die vertraute Sprache und bekommt leckeres arabisches Essen.“, berichtete uns Mohamad. Die Sonnenallee wird auch die arabische Straße genannt. Als wir diese Straße erreicht hatten bekam jeder Teilnehmer einen Zettel mit dem Name eines arabischen Geschäftes in arabischer Schrift. Wir drehten und wendeten die Zettel, denn es war nicht klar, wie herum die Schrift richtig gelesen wird. Unsere Aufgabe: die Sonnenallee entlang zu laufen und den Laden zu finden, auf dem das arabische Wort steht. Gar nicht so einfach, diese unbekannten Schriftzeichen wieder zu erkennen. Da kommt dann eine Ahnung auf, wie schwierig es für die Flüchtlinge ist, unsere Schrift zu lernen. Nach einer schwierigen Reise und vielen bürokratischen Hürden hat Mohamad in Marzahn eine Wohnung gefunden. Innerhalb von drei Jahren hat er es geschafft, die deutsche Sprache so gut zu beherrschen, dass er bereits Maschinenbau studieren kann. Am Ende führte uns Mohamad, der mit uns seine 71. Führung mit dem Verein Querstadtein gemacht hat, in eine wunderbare arabische Bäckerei und dort versüßten wir uns den Abschied von unserem beeindruckenden Führer und Neukölln.