Seniorin ließt die Zeitung

Foto: © Maud Meinel

Street - Art- Fotogruppe unterwegs

Graffititreffen ohne Graffitis

Diese Entdeckungsreise sollte uns in die Nähe des Bahnhof Zoos führen. Zeitungsartikel hatten über ein Gelände und Projekt berichtet, an dem man Graffitis sehen kann, auf dem gesprüht wird und es hin und wieder Auftritte von Musikgruppen geben soll. Ein 4500 qm großes und freies Gelände mit Graffitis unter dem Projektnamen „Home Town Berlin“ am Bahnhof Zoo war das Ziel für die dritte Erkundungstour unserer Senioren-Street-Art-Fotogruppe. Gesagt, getan, im Voraus informierten wir uns über die Öffnungszeiten, schnappten hochmotiviert unsere Kameras und machten uns auf den Weg. Dieser Weg führte durch die Hertzallee zunächst an der Bahnhofsmission vorbei, an der Obdachlosen unserer Stadt sich in die Essensausgabe einreihen. Die andere Seite Berlins und ein totaler Kontrast zu den herausgeputzten, neuen Luxusgebäuden, die sich nur wenige Minuten weiter befinden. Dann standen vier Frauen der Street-Art-Fotogruppe vor dem Freiluftatelier, oder besser gesagt vor einem Lattenzaun, der das Gelände umrundet. Wo bitte ist hier der Eingang? Ratlose Blicke wurden ausgetauscht. Ah – dort zeigt ein Pfeil nach rechts, aber was ist das? Ein neuer Pfeil wiederum nach links. Schließlich liefen wir den Zaun systematisch entlang und fanden tatsächlich einen Eingang. Jedenfalls sah das vorhandene Schloss nach einem möglichen Eingang aus. Nur leider war dieser verschlossen und kein Künstler oder Pförtner in Sicht. Per Smartphone wurde im Internet überprüft, ob die Öffnungszeiten auch richtig waren. Kleine Sehschlitze im Zaun weckten unsere Neugierde, denn man konnte Ausschnitte von bunten Bildern sehen. Ja, seit 16:00 Uhr sollte hier auf sein, inzwischen war es 16:20 Uhr. Wir sprachen Passanten an, ob sie vielleicht wüssten … Nein. Enttäuscht wurden die Fotoapparate also wieder eingepackt und wir entschlossen uns, den sonnigen Tag im Café ausklingen zu lassen. Wir landeten zwischen lauter Studenten in der Mensa der Volkswagen Bibliothek. Ein Ort an dem man zu studenten- &seniorenfreundlichen Preisen Kaffee und Kuchen kaufen kann. Statt Graffitis zu fotografieren saßen wir Mitte September draußen bei Kaffee und Kuchen, plauderten und ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen - ein super Ersatzprogramm. Einige von uns wollten einen weiteren Versuch starten und gingen auf dem Heimweg nochmal zu dem Eingang am Bretterzaun. Er war leider immer noch verschlossen. Dann eben nicht, die Stadt hat auch noch an anderen Plätzen mit Street Art zu bieten, ganz unverschlossen und immer zugänglich. Der nächste Ausflug steht schon fest. Dann geht es nach Kreuzberg.

Claudia Hoffmann